Initiative Klischeefrei - was ist das?
Die Initiative Klischeefrei macht sich für eine Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees stark.
Deshalb setzt sich maauwikids für die Initiative Klischeefrei ein
Junge Männer wählen noch immer eher einen Job, mit dem sie später mal eine Familie ernähren können, gut Geld verdienen, eine Karriere anstreben und erfolgreich sein wollen.Meine persönliche Laufbahn als Beispiel für nicht-klischeefreie Berufswahl
Mein Wunsch: eine klischeefreie Zukunft für meine Kinder
Was sind Klischees?
Wir alle wachsen mit Rollenbildern im Kopf auf. "Ist halt einfach so", könnte man denken, wenn man es für total richtig hält, dass Männer besser Auto fahren können und Frauen einfach den Haushalt besser schmeißen ....ähhhh? Ehrlich?
Bei Wikipedia habe ich diese Definition von Klischee gefunden:
„[Klischees sind] vorgeprägte Wendungen, abgegriffene und durch allzu häufigen Gebrauch verschlissene Bilder, Ausdrucksweisen, Rede- und Denkschemata, die ohne individuelle Überzeugung einfach unbedacht übernommen werden.“
Im eigentlichen Wortsinn ist ein Klischee ein Abklatsch, eine abgenutzt Redewendung (von franz. clishé - Abklatsch). Also eher etwas Negatives - das oft auch unbedacht übernommen wird, auch gern als Floskel oder Redewendung, ohne über den Sinn des Gesagten nachzudenken. Zum Beispiel "Die Deutschen sind sehr pünktlich" - naja. Das trifft sicher nicht auf jeden einzelnen Deutschen zu, ist aber ein Klischee, das weit verbreitet ist, oder: "Pünktlich wie die Maurer".
Ist ein Klischee negativ, kann es auch leicht ins Vorurteil verschärft werden.
Die Initiative Klischeefrei hat folgende Definition von Klischee:
Klischees sind "eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster, die sich auf Personengruppen beziehen und diese mit bestimmten Zuschreibungen, Verhaltensweisen, Eigenschaften und Fähigkeiten in Verbindung bringen."
- www.klischee-frei.de
Menschen versuchen immer, sich die Welt möglichst einfach und übersichtlich zu gestalten. Das ist normal. Das macht auch Sinn. Die Welt wird ein kleines bisschen „ordentlicher“, wenn man in seinem Kopf Schubladen mit Informationen voll packt.
Allerdings sollte man versuchen, sich immer wieder bewusst zu werden, dass dieses Schubladendenken, diese festgefahrenen Klischees, diese Vorurteile, die wir alle in unserem Kopf haben, zu hinterfragen sind. Man muss ganz bewusst immer wieder reflektieren, überlegen, diskutieren, um möglichst klischeefrei zu handeln.
Klischeefrei – warum schon bei den kleinen Kindern anfangen?
Wer mehrere Kinder unterschiedlichen Geschlechts hat, wird bestimmt berichten, dass diese einfach "von Anfang an anders ticken".
Dass Jungs und Mädchen so unterschiedlich sind, und unterschiedliche Interessen haben, liegt aber – erwiesenermaßen – nicht so sehr an ihrem Geschlecht, sondern zu einem großen Teil daran, wie wir Erwachsene schon von Anfang an mit ihnen umgehen. Wie wir mit ihnen sprechen. Wie wir sie kleiden und welches Spielzeug wir ihnen kaufen.
Je nachdem, ob wir einen Sohn oder eine Tochter haben, reagiert das Umfeld auf diese Kinder. Einem Mädchen wird vielleicht gesagt: „ Oh, Du hast aber ein hübsches Kleid an“ – und das Mädchen freut sich, ist stolz und hat gelernt, dass es positive Aufmerksamkeit bekommt für ein schönes Aussehen. Einem Jungen sagt man vielleicht: „Wow, was ist das denn für ein cooler Superheld auf dem T-Shirt? Du bist sicher genau so stark wie der, oder?“ – und der Junge hat gelernt, dass cool und stark sein etwas ist, wofür er positive Aufmerksamkeit bekommt.
Bei Kindergartenkinder kann man schon gut beobachten, dass sie eher zu dem Spielzeug greifen, was ihrer Meinung nach mit ihrem Geschlecht in Einklang steht. Oder dass sie automatisch zum Papa gehen, wenn ein Spielzeug kaputt ist, weil sie davon ausgehen, dass Papa „besser“ reparieren kann.
Was ist so schlimm daran, Kinder mit Klischees aufwachsen zu lassen?
Sind Jungs immer stark und Mädchen immer lieb? Dürfen Jungs weinen? Ist es komisch, wenn ein Junge Balletttänzer wird? Warum ist dieses Mädchen so laut und wütend, das gehört sich nicht! Sei ein liebes Mädchen. Wow hast Du ein cooles T-Shirt an, du bist ein richtiger Rocker! Ist das Nagellack an deinen Füßen? Das ist doch was für Mädchen!
Kinder entwickeln schon sehr früh ein Verständnis für Geschlechterklischees, weil wir Erwachsenen es ihnen so vorleben. Weil in Kinderbüchern die Mama am Herd steht, während der Papa das Fahrrad repariert. Weil die Superhelden in großen Kinofilmen Jungs sind. Weil die Bekleidungsindustrie Jungsklamotten in blau-grau-grün-braun-Tönen und Mädchenklamotten in rosa-pink-lila auf den Markt bringt. Weil Kinderspielzeug auf den Webseite und in den Läden als „Für Jungs“ und „Für Mädchen“ unterteilt wird. Weil die Jungsspielsachen blau und die Mädchenspielsachen rosa sind.
Es ist nicht schlimm, wenn Jungs gern mit Autos spielen. Meine Zwillinge sind total verrückt nach allem, was einen Motor hat und Lärm macht. Aber nicht jeder Junge spielt gern mit Autos, mache Jungs kochen lieber leidenschaftlich in ihren Spielküchen, malen am liebsten oder wickeln die Babypuppen.
Schlimm wäre es, wenn man einem Jungen, der ein Prinzessinnenkleid anprobiert und sich die Nägel lackiert, versucht das auszureden, weil "das Mädchenkram ist". Und umgekehrt genauso: wenn man einem Mädchen verbietet, mit Hammer und Nägeln stundenlang Bretter zu behauen, und stattdessen versucht, ihnen lieber die rosa Pferdesticker anzudrehen.
Was kann ich als Elternteil tun, um mein Kind möglichst klischeefrei aufwachsen zu lassen?
Es spricht gar nichts dagegen, dass das eine Kind am liebsten Prinzessinnen-Bücher liest, während das andere Kind Dinosaurier liebt. So lange beide Kinder diese Vorlieben unabhängig von ihrem Geschlecht leben dürfen.
Und das ist leider - auch im Jahr 2023 - noch immer nicht der Fall. Klar, die Oma auf der Straße wird ihr Weltbild vermutlich nicht mehr ändern und es schadet einem Mädchen auch nicht, wenn es für seine ordentliche Frisur gelobt wird. Aber als Eltern müssen wir mit unseren Kindern über diese Klischees und die Rollenbilder sprechen. Reflektieren. Immer wieder aufzeigen, dass es auch anders möglich ist.
Wer also klischeebehaftete Erziehung ändern will, muss ganz früh anfangen. Bei den aller Kleinsten. :
- Keinen neuen Schneeanzug kaufen für das Söhnchen, weil man einen Jungen doch nicht in einen Schneeanzug mit Blümchen stecken kann, den die große Schwester damals anhatte
- Jungs mal bewusst Puppen zum Spielen geben, Mädchen einen Schraubenzieher
- Dämliche, klischeehafte Darstellungen in Kinderbüchern ansprechen, hinterfragen, mit den Kindern besprechen.
- Bewusst klischeefreie Produkte kaufen: BinoBino ist eine Plattform für klischeefreie Bücher und Spielsachen - dort findet ihr eine tolle Zusammenstellung an wunderbaren Büchern und Spielsachen für alle Kinder
- sich mit dem Thema klischeefrei beschäftigen. Absoluter Lesetipp: Rosa-Hellblau-Falle: ein tolles Buch zum Thema "Klischeefrei"
Die Inititative Klischeefrei hat einen tollen Artikel auf seiner Webseite dazu veröffentlicht, der gut erklärt, warum es wichtig ist, schon früh mit einer klischeefreien Bildung anzufangen
Was hat das frühkindliche Rollenverständnis mit der Berufswahl zu tun?
Ok. Aber was genau hat die Spielvorliebe eines 3 jährigen mit seiner späteren Berufswahl zu tun?
Die verinnerlichten Verhaltensweisen und Vorlieben der Geschlechter, die ein Kind vom ersten Lebenstag an von seiner Umwelt gelernt hat, tragen sich durchs ganze Leben und beeinflussen auch die Berufswahl, oder den Berufswunsch.
Durch eine frühkindliche klischeefreie Bildung wird mehr Offenheit geschaffen, die es jedem Kind besser ermöglicht, die eigenen Talente und Vorlieben zu fördern, unabhängig vom Geschlecht.
Ziel wäre es, dass einfach jedes Kind ohne Vorurteile, ohne Vorbehalte, ohne Hemmungen das aus seinem Leben machen kann, was es am liebsten machen möchte. Hubschrauberpilotin? Super! Krankenpfleger? Toll! Mechatronikerin? Klar! Friseur? Logo! Dirigentin? Wunderbar! Geburtshelfer? Ja!
Damit das gelingen kann, müssen alle zusammenhalten:
- Eltern müssen sich bewusst sein über die Klischees und immer wieder sich selbst, die Erziehung und die eigenen Vorurteile reflektieren. Mit ihren Kindern darüber sprechen. Kindern zuhören, herausfinden, was diese wirklich bewegt und was sie wirklich gut können. Und den eigenen Konsum überdenken: was spricht dagegen, einem Sohn eine Puppe zu schenken oder der Tochter den Bagger?
- Kitas und Erzieher:innen müssen klischeefreie Bildung verinnerlichen und anwenden. Kleinen Jungs nicht das Prinzessinnenkleid ausreden und kleine Mädchen in der Baustellenecke mitspielen lassen. Tun sie eh. Hoffentlich. Fast alle.
- Die Spielzeug- und Klamottenindustrie muss sich echt ändern - weg von diesen grausamen rosa-hellblau-Klischees, die den Kindern eine Welt vorgaukelt, in der Jungs und Mädchen geschlechtsspezifische Verhaltensweisen zugeschrieben werden, von Anfang an. Die wunderbare Britta von avalindo diversity hat eine Petition angestoßen, die sich genau an die Verantwortlichen der Spielzeugindustrie wendet - toll! #SpielzeugKenntKeinGeschlecht
Ich bin froh, dass ich im Jahr 2023 in Europa lebe, wo viele dieser Klischees langsam abgebaut werden. Es hat sich schon viel getan und es wird sich noch viel ändern, zum Positiven. Das ist gut. Helft alle mit und unterstützt die Initiative Klischeefrei oder andere Initiativen, Unternehmen und Projekte, die sich mit diesem Thema beschäftigen.
Mehr Infos zur Initiative Klischeefrei
Mehr Infos zu den Freundschaftsbüchern von maauwikids, die klischeefrei, kunterbunt und kindgerecht sind:
Freundschaftsbuch "Best Friends"
Freundschaftsbuch "Kunterbunt"
Mehr Infos zu den Erinnerungsbüchern von maauwikids, die klischeefrei, kunterbunt und wertschätzend geschrieben sind, für alle Familien, auch für Regenbogenfamilien oder Alleinerziehende:
Schwangerschaftstagebuch "Kunterbunte Kugelwochen"
Babytagebuch "Kunterbunte Babyzeit"